Champagner-Kommunismus jetzt? Ja sicher, aber …

Aaron Bastani von Novara Media stellt uns den Luxuskommunismus evidenz-basiert in Aussicht. Gerade in Zeiten der nächsten Fundamentalkrise des demokratischen Kapitalismus wurde dies höchste Zeit. Was ist das aber? Wie kommen wir da hin? Und ist das völlig neu? Will das denn irgendwer?

Was hätte ein Mensch erwartet, wenn er sich um 1900 gefragt hätte, was in einhundert Jahren der Fall sein würde? Als Bürger von London hätte er vielleicht erwartet, dass seine Heimat in naher Zukunft einer Lagunenstadt gleichen würde. Mit dem Unterschied, dass die zu Kanälen gewordenen Straßen von Pferdescheiße durchflossen werden würden.

So prognostizierte es zumindest The Times 1894 für die damals größte Stadt der Welt. Abertausende von Pferden halfen den Menschen bei der Versorgung der Stadt. Sie hinterließen 1,5 Millionen Pfund an Hinterlassenschaften jeden Tag.

Vielleicht hätte dieser Mensch in pessimistischer Trendextrapolation erwartet, dass angesichts der damals bereits fortschreitenden Urbanisierung der gesamte Planet eines Tages mit den Exkrementen jener unverzichtbaren Vierbeiner einbalsamiert sein würde. Eine epische Krise hatte sich den Londonern zuerst gezeigt und schien auch an anderen Orten unvermeidbar.

New York

Switchen wir heute irgendeinen Lifestream aus der Londoner City an, dann sehen wir: Keine Pferdescheiße! Aaron Bastani, Mitbegründer von Novara Media, der diese Anekdote erzählt, stellt ähnliches trotz des epochalen Krisenalarms, der schon das Jahr 2019 kennzeichnete, zumindest in Aussicht. Seine Lösung ist nichts Geringeres als der Champagnerkommunismus. Da uns nun eine Weltwirtschaftskrise unbekannten Ausmaßes ins Haus stehen könnte oder bereits gewiss ist, kommt sein Buch „Fully Automated Luxury Communism. A Manifesto“ (FALC) gerade zur rechten Zeit.

Doch war da nicht was? Schließlich ist die Futurologie nicht neu und auch Bastanis hat bemerkenswert ähnliche Vorläufer. Da könnte auch der Haken liegen.

Das Jahr 2069 aus der Sicht von 1969

1969 wagten die Autoren Kenneth S. Keyes und Jaques Fresco in ihrem Buch Looking Forward einen Blick auf die Gegenwart und die Zukunft der Menschheit einhundert Jahre später. Sie imaginierten einen Bürger New Yorks in den 1860er Jahren. Er hätte nicht geglaubt, dass seine Nachfahren eine pferdelose Kutsche fahren und die Frauen Bikinis tragen würden. „Der Gedanke, Bilder und Töne durch Meilen aus Luft zu senden, würde jeder vernünftigen Person unmöglich erschienen sein.“

Die Entwicklung der Technologie stellten Keyes und Fresco ähnlich gewagt dar wie Stanley Kubrick in 2001. Ein Schnitt genügt und der Faustkeil der Affenhorde hat sich in die Raumschiffe und Raumstationen des modernen Menschen verwandelt.

Die Fortschreibung hat bloß einen Haken. Die damalige Gegenwart um 1969 beschreiben die Autoren nicht als technologisch bewirtschafteten und gebändigten Garten Eden, sondern als den wilden Dschungel der bürgerlichen Gesellschaft, der einem „Wespennest aus Problemen“ gleiche, das im Grunde unbeschreibbar sei. Warum sollte man da glauben, die Zukunft könne anders sein?

Im Jahr 2069 sollen sich die Probleme aber alle erledigt haben. So wie die Erfindung und Verbreitung des Automobils quasi wie von selbst die Pferdemistkrise in London zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgelöst hatte, so würden sich alle sozialen Probleme in Zukunft gelöst haben. Was passieren müsse, sei die Anwendung der „wissenschaftlichen Methode“ auf gesellschaftliche Probleme, verbunden mit dem ehrlichen Willen, sie auch lösen zu wollen. Das Potenzial von Wissenschaft und Technik gilt als nach oben offen. Und der Mensch, ja er wäre doch wider den Schein gut, wenn er nur in der richtigen Gesellschaftsform lebte: „Der Mensch ist wie ein Spiegel – er reflektiert weitgehend seine Umgebung.“ Was würde dann, von heute aus gesehen in knapp einem halben Jahrhundert, auf unsere Kinder und Enkel warten?

Keyes and Fresco zufolge lockt dort eine kybernifizierte Technologie („cybernated technology“) und eine entsprechende Gesellschaft, in der Nationen genauso wie soziale und internationale Ungleichheit verschwunden sein würden. Die Menschen haben sich mit Biotechnologie körperexterne Zusatzgehirne gezüchtet, die auch mit dem Zentrum der Weltgesellschaft verbunden sind, dem Supercomputer mit dem Namen Corcen. In den Gehirnen eines jeden Menschen findet sich das Wissen, das jeweils mit „zwölf“ Doktortiteln identisch sein würde. Jeder Mensch wird jedoch anders bestückt, sodass bei Gesprächen keine Langeweile aufkommt.

Da Corcen aber ohnehin jede Frage beantworten kann, sind Informationen im Überfluss vorhanden und jedem zugänglich. Transport stellt kein Problem mehr dar. Menschen können sich per Spracherkennung ein beliebiges vollautomatisiertes Flugobjekt für hyperschnellen Transport über den Globus frei Haus bestellen, kostenlos. Die Knappheit von Gütern, in unserer Zivilisation auch als das ökonomische Problem bekannt – zumindest unter Ökonomen -, ist verschwunden.

Denn die Anwendung von Cybernated Technology hat zu vollautomatisierten Fabriken und vollautomatisierter Landwirtschaft geführt, in der es keine Bosse mehr gibt. Die ganze Welt ist ein einziges vollautomatisiertes Unternehmen, das auch keine Angestellten kennt. Güter werden mit minimalstem Einsatz von menschlicher Arbeit hergestellt und auch automatisiert verteilt. Was für den Lauf der Maschine noch getan werden muss, wird freiwillig geleistet. Da alle technischen Artefakte so designt worden sind, dass sie ewig halten und wartungsfrei sind, fällt auch weniger zu tun an. Keyes und Frescos Beispiel für wunderbar nachhaltige Technologie war – hört hört – das Telefon, allerdings nicht das Smartphone.

Da keine Arbeit in der Produktion mehr notwendig ist, haben die Dinge auch keinerlei Wert mehr, womit auch jede Vorstellung von Eigentum antiquiert geworden sein wird. Um aber Menschen unserer Zivilisation verständlich zu machen, was das heißt, prophezeiten die Autoren jedem Menschen ein Jahreseinkommen von 100 000 Dollar, ein Leben lang, für drei Stunden Arbeit, an einem Tag in der Woche, für fünf Jahre seines Lebens. Der Rest ist in unser Terminologie Freizeit.

Gegenüber der Eintönigkeit des gegenwärtigen Lebens der Arbeit im Fordismus von 1969 ist das Versprechen ein „multidimensionales Leben, begrenzt einzig durch die Phantasie“. Das alte Problem der „Teilung der Knappheit“ werde abgelöst durch das „Problem der Verteilung des Überflusses“.  Noch Fragen?

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Alles utopisch?

Mit der Ernüchterung unserer Gegenwart könnten wir diese Erzählung mit dem Ausruf „Alles Utopie!“ schnell beiseitelegen. Ist das nicht abstrus? Hanebüchen? Spinnerei? Die Frage stellt sich eigentlich gar nicht: Abstrus! Hanebüchen! Spinnerei! Immerhin ist es auch ein Zeichen für den Charakter unserer Gesellschaft, dass man in der Schule nur Dystopien liest. Früher Georg Orwell, Aldous Huxely und Ray Bradbury. In einer progressiven Penne vielleicht auch Margaret Atwood, heute mal Dave Eggers. Motto: Alles dürfte schlimmer werden. Wir müssen wachsam sein. Pferdemistkrisen drohen überall. Und gerade heute darf man vermuten, dass diese Haltung dem demokratischen Kapitalismus durchaus angemessen und dessen ideologischer Reflex ist.

Interessant an Looking Forward und anderen Formen von Science Fiction ist bekanntlich, dass die Prognosen zumindest teilweise stimmen, weil die Autoren umfangreiche Kenntnisse von der technischen Entwicklung ihrer Zeit haben und diese dann kreativ als Trends in die Zukunft projizieren. Zum Beispiel die kabellose Kommunikation per Spracherkennung mit Corcen, die 1969 ebenso utopisch klingen musste wie vollautomatisierte Mobilität oder das teilweise antizipierte Internet, steht heute in vielen Kinderzimmern.

Vermutlich liegt die Antwort in der Frage: Ist das nicht links? Ist das nicht Kommunismus? Was sollte das sonst sein? Abstrus! Hanebüchen! Spinnerei! Nein: Gemeingefährlich! Auch Keyes und Fresco formulierten bereits, dass Menschen im Allgemeinen sich technologische Entwicklungen eher vorstellen können als sozialen Wandel. Das technologische Versprechen wird aus der Perspektive der Verteidigung der Gegenwartsgesellschaft gekoppelt mit einer individuellen und sozialen Bedrohung, die schlicht darin besteht, dass sich bei einer Realisierung der Utopie tatsächlich etwas ändern könnte, zumal mehr als der Spitzensteuersatz oder die Pendlerpauschale.

Nur zweierlei lieferten Keyes und Fresco nicht. Erstens auch nur irgendeinen Ansatz der Beschreibung der sozialen, politischen und ökonomischen Organisation der vermeintlichen Zukunftsgesellschaft. Alles läuft schon irgendwie wunderbar: Aber wie? Zweitens auch nur irgendeinen konkreten Ansatz für die Realisierung ihrer Utopie. Daher klingt Looking Forward im Rückblick wie eine billige Version des technologischen Determinismus, die von der Geschichte widerlegt worden ist.

Abstrus! Hanebüchen! Spinnerei! Anderer Meinung ist Aaron Bastani, der Mitbegründer des Medienunternehmens Novara Media, das durch einen anderen Journalismus die Probleme des 21. Jahrhunderts behandeln und zu einer anderen Politik beitragen will. Das spricht für eine realistische Perspektive.

„Novara Media is an independent media organisation addressing the issues that are set to define the 21st century, from a crisis of capitalism to racism and climate change. Within that context our goal is a simple one: to tell stories and provide analysis shaped by the political uncertainties of the age, elevating critical perspectives you’re unlikely to find elsewhere. Driven to build a new media for a different politics, our journalism is always politically committed; rather than seeking to moderate between two sides of a debate, our output actively intends to feed back into political action.” (HERE)

Gegenwart: Was ist das Problem, für das FALC die Lösung sein soll?

In seinem Buch skizziert Bastani FALC. „FALC” ist das Akronym für „Fully Automated Luxury Communism” und zugleich der Titel der Utopie. Der Untertitel lautet: „A Manifesto“.

Bastani stimmt denjenigen zu, die glauben, dass der zu beobachtende rasante gesellschaftliche Wandel mitsamt den „Herausforderungen“ neue Utopien erfordere, weil die alten nicht mehr überzeugten. In mancher Hinsicht handelt es sich bei FALC um ein umfangreiches Upgrade der Futurologie von Keyes und Fresco. Unsere Gegenwart wird erwartungsgemäß ähnlich beschrieben wie die damalige.

Im Unterschied zur entweder rosaroten oder resignativen Weltsicht des „kapitalistischen Realismus“, der sich soziale Veränderungen nicht denken könne, zeichnet Bastani das Bild einer historischen Krise und schreibt von „unserer gebrochenen Welt“. Zur „Krise mentaler Gesundheit“, die sich an Suizidraten ablesen ließe, gesellten sich die „Krise des Staates“, die „Krise der Repräsentation“ und die „Krise der Abwesenheit kollektiver Phantasie“. Dazu kommen seit 2008 die “Bankenkrise”, die “Schuldenkrise”, die „Defizitkrise“ und „Austerität von Griechenland bis Kalifornien“, „geringes Wachstum“, „sinkender Lebensstandard“ und „wachsende geopolitische Spannungen“. Die drei und mehr Jahrzehnte gepredigte „realistische“ neo-liberale Utopie überzeuge daher zurecht niemanden mehr:

„The worlds of the priests increasingly fall on deaf ears, meaning many now turn to other – often older – faiths to make sense of the seemingly absurd.“

Absurd erscheint Bastani der diagnostizierte epochale Rückschritt am Beginn des 21. Jahrhunderts.

Diese Oberflächenphänomene sind aber noch nichts im Vergleich mit den „zivilisatorischen Bedrohungen“ wie dem Klimawandel, Ressourcenknappheit, der Alterung der Gesellschaften, der aus globaler Armut hervorgehenden Reservearmee des „Unnezessitariats“ sowie eines neuen Maschinenalters mit immer größerer technologischer Arbeitslosigkeit auch im „Westen“. Man könnte Bastani auch so zusammenfassen, dass derjenige, der den so beschriebenen Zustand der Welt nicht als problematisch erachte, sich doch wohl bereits an zu viel gewöhnt habe. Noch Fragen?

Zukunft: Wie kommt man (oder es) zur Lösung und FALC?

Unsere mittelfristige Zukunft wird in FALC ganz ähnlich vorgestellt wie in Looking Forward.

„Im vollautomatisierten Luxuskommunismus werden wir mehr von der Welt sehen als jemals zuvor. Wir werden eine unerhörte Vielfalt von Nahrungsmitteln haben, and ein Leben führen – wenn wir das wünschen – das demjenigen heutiger Milliardäre gleich ist. Alles wird mit Luxus durchzogen sein, wenn die auf Lohnarbeit gegründete Gesellschaft genauso ein Relikt der Geschichte geworden sein wird wie der feudale Bauer und der mittelalterliche Ritter.“

„Kommunismus“ ist dabei das Label für eine Gesellschaft, „in der Arbeit eliminiert, Knappheit durch Überfluss ersetzt ist sowie Arbeit und Freizeit ineinander übergehen“. Um Luxus handelt es sich, weil sich jede „Grenze zwischen dem Nützlichen und dem Schönen auflösen wird“. Aus dem Philosophischen in das Verstehbare übersetzt heißt das: Die Haupttätigkeit wird im Spielen, dem Kunsthandwerk oder Sport liegen.

Der technologische Fortschrittsglaube wird aber mit den Erfahrungen seit 1969 angereichert und in den Augen von Bastani bestätigt. Insofern ist er evidenzbasiert, wodurch die Utopie geradezu realistisch klingt. Die Trends zwischen 1969 und 2019 belegt Bastani penibel. Wie Keyes und Fresco schreibt auch er diese technologischen Trends fort, die scheinbar unausweichlich zu FALC führen.

Bei der Konstruktion des Trends helfen auch Anleihen beim guten alten Historischen Materialismus, der Geschichtstheorie von Karl Marx und Friedrich Engels. Bastani zufolge lässt sich die Geschichte menschlicher Gesellschaften in drei Diskontinuitäten unterteilen.  Die erste Diskontinuität war die Neolithische Revolution vor 12000 Jahren, die zweite die Industrielle Revolution vor 250 Jahren. Mit der Erfindung der Agrikultur war die Verwendung von Tieren als Energielieferanten verbunden, während die Fabrik von fossilen Brennstoffen angeheizt wurde. Mit beiden Veränderungen in den Produktivkräften waren Veränderungen in den Produktionsverhältnissen und der gesamten Gesellschaft verbunden. Und so soll es auch in der dritten Diskontinuität der Fall sein, die von Computertechnologie, Mikroelektronik und erneuerbarer Energie gekennzeichnet ist.

Der Begriff der Diskontinuitäten legt nahe, dass nach der Überschreitung einer Schwelle etwas Neues kommt und auch kommen muss, weil es im Alten bereits angelegt war. Das ist jedoch nicht leicht zu erkennen. In der Sprache von Bastani liegt eine Disposition vor. Wenn man nicht weiß, dass sie vorhanden ist, wird sie brach liegen wie ein Stück Salz, das niemals in die Suppe geschmissen wird.

Hier liegt der Grund für die Formulierung von FALC.  FALC ist ein Buch über die Gegenwart, nicht über die Zukunft.  Das Problem in der Diagnose des Autors ist, dass die Gegenwart der Ideologie des „kapitalistischen Realismus“ im „real-existierenden Neoliberalismus“ dies noch nicht wisse. Die Welt des kapitalistischen Realismus ist jene, in der “das Ende der Welt plausibler ist als das Ende des Kapitalismus“. Da die Gegenwart mit der Disposition schwanger geht, den Kapitalismus zu sprengen, weil es im Überfluss unmöglich sein wird, Profite zu erzielen oder es aber aufgrund der Verdrängung menschlicher Arbeit zur letalen Unterkonsumptionskrise kommen wird, was der Realismus beides nicht denken kann, obliegt es Bastani, die Möglichkeit einer anderen Politik aufzuzeigen. Die Lösung für das vorhersehbare Drama ist FALC.

Aber wie bei Keyes und Fresco lässt sich fragen: Wieso sollte es jemals tatsächlich zu FALC kommen?

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Von der Apokalypse zur Utopie?

Die Wucht des Dramas liegt auch hier darin, dass die katastrophische Gegenwartsdiagnose direkt auf das utopische Reich der Freiheit trifft. Wir befinden uns, laut Bastani, an einer Kreuzung und Klippe zugleich. „Die fünf Krisen dieses Jahrhunderts sind entweder existentielle Bedrohungen der Menschheit oder die Geburtswehen von etwas Besserem“.

Die genialische Konstruktion des Buchs liegt darin, dass die Lösung der Probleme der Gegenwart zugleich zu FALC führen soll, wenn man die technologischen Trends konsequent ausreizt und politisch formt. Die Utopie ist zugleich grün und rot.

Der Klimawandel lässt sich durch die konsequente Anwendung von Solarenergie abwenden. Sie führt jedoch zugleich bei weltweiter Anwendung zum vollkommenen Überfluss an sauberer Energie und einem Verfall der Preise. Ressourcenknappheit wird mitsamt den ökologischen Problemen konventioneller Landwirtschaft durch „zellulare Agrikultur“ gelöst, also die massenweise Produktion von Lebensmitteln in industrialisierter Biotechnologie, zum Beispiel dem Burger aus dem Labor. Auch der Bollinger, den mittlerweile James Bond säuft, ließe sich prinzipiell künstlich reproduzieren, sodass der Schmähausdruck des Champagnersozialismus, mit dem linke Politiker belegt werden, die nicht der proletarischen Lebensweise frönen, als Champagnerkommunismus umgedeutet und für alle Realität werden kann.

Die Knappheit von Metallen ließe sich durch „Asteroidenbergbau“ in Überfluss verwandeln, schließlich rüsten sich derzeit schon verschiedene Firmen technologisch und rechtlich für die Nutzung des Alls. Die Gesundheitskosten würden in Zukunft, ähnlich wie in dem Hollywoodfilm Elysium, gegen null tendieren und größtenteils präventiv die Gesundheit absichern, anstatt bereits ausgebrochene Krankheiten zu bekämpfen. Die vollständige Bekanntheit des Genoms eines jeden Menschen wird es möglich machen.

Und genau wie das Pferd in der Landwirtschaft durch den Traktor ersetzt worden ist, wird der Mensch in der Industrie massenweise durch Roboter und in der Dienstleistung massenweise durch Computertechnologie ersetzt, wie bereits der Ökonom Wassily Leontief und ungezählte andere seit Marx vermutet hatten. Bastani nennt die weltweite Zunahme von Industrierobotern um 10 % pro Jahr seit 2010 als einen von mehreren Indikatoren für den Trend.

Hier wie überall heißt es: Es wurde bereits so und so, und die Erfahrung der letzten 50 Jahre deutet darauf hin, dass es so weiter gehen wird, soweit sich nichts ändert. Die Argumentation ist letztlich eine Verallgemeinerung von „Moores Gesetz“ auf andere Technologien. Gordon Moore hatte 1965 festgestellt, dass sich die Rechenleistung von Computerchips jedes Jahr verdoppelte, womit auch ein konstantes sinken der Preise einhergeht. Bis heute lässt sich ähnliches für jedes Jahr feststellen.

Der Haken an jenem notwendigen Gesetz ist bloß, dass es keines ist, sondern nur ein kontingenter Trend, der zudem nur aufgrund der Struktur kapitalistischer Wirtschaftssysteme besteht, zu deren Haupttypen sozialer Relationen die Konkurrenz gehört. Gerade auch Novara Media berichtet regelmäßig davon, wie durch den Neoliberalismus menschliche Arbeit so verbilligt worden ist, dass in England Menschen wieder die Maloche von Waschanlagen übernommen haben.

Weil Bastani darum weiß, sieht er uns vor eine Alternative gestellt: Der Untergang mit dem langsam immer weiter auseinanderbrechenden Wrack des Kapitalismus, der aufgrund jener Trends der Abschaffung menschlicher Arbeit notwendigerweise zugrunde gehen müsse, oder eben FALC. Aber dazu muss gehandelt werden. Die Frage ist: Was kommt als nächstes?

Das ist auch die Frage für gewitzte Kritiker, die feststellen werden, dass der Eingriff in die Struktur des Kapitalismus gerade zum Zusammenbruch derjenigen Trends führen würde, die eigentlich zu FALC führen sollen. FALC würde insofern als selbstverhindernde Prophezeiung in die Annalen eingehen.

Allerdings wird dieser Tage klar, dass es durchaus möglich ist, dass jegliche Entwicklung, jegliches „Wachstum“ oder auch nur jegliche Produktion im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise alsbald vorbei sein und unmöglich werden könnte. Eventuell ist die dystopische Realität schneller als die Prognose. Vom „Süden“, der mittlerweile teilweise schon an den Alpen beginnt, möchte oberhalb davon ja eh kaum einer gerne reden. Auch daher stellt sich die Frage: Was kann denn getan werden?

Was kann man tun, um FALC zu realisieren und alsbald gemeinschaftlich im Champagner zu schwelgen?

Laut Bastani ist FALC eher eine Politik als eine unausweichliche Zukunft. Der anti-utopische Gegenspieler von FALC ist der „real-existierende Neoliberalismus“. Daher überrascht nicht, dass die politischen Gegenmaßnahmen auf diesen zielen.

Was muss also getan werden, um den Champagnerkommunismus Realität werden zu lassen? Unter anderem folgende Punkte werden verstreut aufgeführt:  

  1. Eine populistische Politik muss entwickelt werden, d. h. auch eine solche, in der das „Post“ – z. B. in Post-Wachstum – nicht identisch ist mit „Verzicht“ und „Opfer“ für das größere Gute. Motto: „Dein bestes Leben kannst du nur unter FALC leben, sonst nicht.“
  2. Da eine populistische Politik eine Antwort voraussetzt, wer zum Populus gehört, müssen neue Formen des Zusammenseins und neue Ideen erfunden werden, jenseits von Nationalismus, Sozialismus, Imperialismus, Rassismus und Neoliberalismus, ansonsten werden die Gespenster der Vergangenheit zurückkehren.
  3. Die Gründung einer Arbeiterpartei gegen die Arbeit ist notwendig, da letztere ohnehin zunehmend verschwindet oder prekarisiert wird. Vielleicht verschwinden deswegen ohnehin gerade beide, also auch ernst zu nehmende Arbeiterparteien.
  4. Globale Probleme erfordern zwar eine globale Lösung, aber auch Graswurzelkampagnen wie Strategien des Devestments aus fossilen Energieträgern sind angezeigt.
  5. In Ermangelung einer globalen Lösung im derzeitigen internationalen System ist eine Prototypenpolitik auf der Ebene von Städten, Regionen und Staaten notwendig, d. h. Leuchturmprojekte, die andernorts imitiert werden. Motto: Warum haben wir das nicht?
  6. Bruch mit der neoliberalen Politik schwacher Gewerkschaften, prekarisierter Arbeitsmärkte, fallender Löhne und Privatisierung. Darunter fallen auch städtischer Protektionismus gegenüber Konzernen und regionale staatliche Auftragsvergabe mit der Bevorzugung von Kooperativen Unternehmensformen und CO2 freier Produktion, also Organisationen, die andere Ziele als Profit anstreben.
  7. Einführung, Erhalt oder Ausbau universaler Basisdienste (Universal Social Services), die als Menschenrechte verstanden werden und daher jedem frei zugänglich sein sollen: Obdach, Verkehr, Bildung, Gesundheit und Information.

Ein Blick auf die eher bunte Liste zeigt, dass es sich bei FALC nicht um eine konkrete politische Strategie handelt. Denn nichts in dieser Liste verspricht, den vollautomatisierten Luxuskommunismus wirklich hervorzubringen.

Die anti-neoliberale Politik werden Wohlgesonnene zwar begrüßen. Nichts aber deutet darauf hin, dass damit bereits der Luxuskommunismus verwirklicht wird. Werden Kooperative, also sich im Besitz der Belegschaft befindende Unternehmen, die weitere Automation fördern wollen? Werden sie nicht in Konkurrenz mit anderen Kooperativen stehen und diese verdrängen? Agieren sie auf einem Markt? Auch Graswurzelmaßnahmen wie das Devestment sind nützlich, sofern sie einen Unterschied machen. Aber zum Luxuskommunismus führen sie nicht.

Auch zeigt die Liste, dass das „einfache Motto: Freiheit, Luxus und die Verfolgung der Post-Knappheit“, das die „populistische“ Politik auf dem Weg zu FALC anleiten soll, weil es leicht verständlich sei, nicht so einfach die Massen oder „das Volk“ überzeugt und in konkrete Maßnahmen überführt werden kann. Das scheinbar einfache Motto ist als solches einfach furchtbar abstrakt.

Dass die „Arbeiter“ das beste Leben jenseits der Arbeit vermuten, ist (verrückterweise) nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist, dass sie in Anbetracht der Unvorstellbarkeit des Lebens in einem vollautomatisierten Luxuskommunismus dessen Verfechtern begegnen wie den 68ern, die in die Fabriken gingen, um die Arbeiter zu befreien, nämlich einfach in Ruhe gelassen und weiterarbeiten zu wollen, wenn auch gerne mit kleinem Lohnaufschlag. Die „Linken“ derzeit werden alles andere begrüßen, nur keine Partei für ein Leben jenseits der Arbeit. Schließlich teilen allen Parteien Bill Clintons und Jens Spahns Ideologie, jeder Job sei besser als keiner. Wer soll aber dann FALC realisieren?

Dass „bedürftige Menschen nicht freie Menschen sind“, dass ein solches Leben daher auch weniger würdig oder wertvoll sein soll, ist dem Nicht-Philosophen nicht direkt einsichtig.

(Falls gemeint ist, was Marx im Kapital meinte, stimmt freilich so gut wie jeder nicht vollständig Indoktrinierte zu: „Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.“ Auch im Reich der Freiheit hören jedoch die Bedürfnisse nicht auf, sondern würden vielleicht ja gar gesteigert, komplexer oder schlicht transformiert. Bedürfnisse enden – für Materialisten – im Tod.)

Das Versprechen des Luxuskommunismus liegt aber gerade in dieser Negativfolie verborgen. Dass Freiheit verstanden als „Autorschaft des Selbst“ nicht allzu viele Anhänger hat und von Spöttern als Professoren- und Künstlerideologie durch den Kakao gezogen werden würde, deuten die Stimmenzahlen des Bündnis Grundeinkommen bei Wahlen zumindest an. Und was heißt das denn konkret, wenn es eben nicht heißt, „frei“ auf dem Markt zu konsumieren?

Bastani möchte den „Konsum im fossilen Kapitalismus“ vom „Führen des guten Lebens unter Bedingungen des extremen Angebots“ unterscheiden. Von jenem „guten Leben“ kann er jedoch kein klares Bild malen – wie auch, denn so etwas kennt niemand. Wenn die Idee ist, dass Lebensqualität etwas anderes ist als der von vielen Politikern angesichts der Klimaherausforderung als bedroht angesehene Lebensstandard, den es zu halten gelte, dann ist das Motto „Freiheit, Luxus und Post-Knappheit“ erläuterungsbedürftig, auch weil andere Vorschläge aus dem Spektrum von De-Growth oder Post-Wachstumsökonomie entgegengesetzte Mottos vorschlagen: Suffizienz statt Luxus, wobei dahinter steckenden Ideologien auch schnell reaktionär werden. Ohne ein solches Bild bleibt von der Idee des Luxuskommunismus vielleicht doch bloß das „westliche“ Lebensmodell, nur in der Version des Kindertraums, einmal oder gar häufiger nachts und bei offener Tür unbemerkt ein Kaufhaus für sich zu haben, weil für alles ja sonst das Taschengeld nicht reicht.

Das zeigt, dass die Politik von FALC die erst noch zu entwickelnden Ideen über neue Formen des Lebens und Zusammenlebens und ihre Verbreitung bereits voraussetzt. Wie schon Keyes und Fresco bleibt auch Bastani damit ein konkretes Bild der Gesellschaft des Luxuskommunismus schuldig und auch einen ansatzweise konkretisierten Plan dafür, wie er herzustellen ist. Die Frage ist nur, ob ein Manifest mehr liefern muss. Schließlich schwelen im Hintergrund radikal-demokratische Ideen, auf deren explosive Wirkung gehofft wird.

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Noch Fragen? Was kann man aus FALC lernen und was nicht?

Ja, wir haben noch Fragen. Selbst in der derzeitigen Fundamentalkrise lässt sich feststellen, dass es wenig Einigkeit über den Zustand der Welt gibt. Selbst jetzt stehen die Perspektiven gegenüber, in denen es einerseits heißt, alles müsse hinterfragt werden, weil die Krise der Normalität die Unhaltbarkeit der vormaligen Normalität gezeigt habe, wohingegen andererseits der unglückliche Umstand einer Naturkatastrophe dafür ins Feld geführt wird, schnellstmöglich die Normalität wieder herzustellen.

Mit der Beschreibung ist auch die Bewertung der Zustände seit jeher umstritten. Die Gegenseite zur Gesellschaftskritik hätte schon vor COVID-19 voraussehbar jene Zahlen anders gedeutet, andere Zahlen zu anderem präsentieren und alles in allem eine andere Perspektive gemalt. Der katastrophischen Beschreibung wird dann ein Lied vom Fortschritt gegenübergestellt. Zum Teil ist dies eine Frage der „Fakten“. Aber nicht nur.

Falls du dich mal gefragt hast, warum recht abstrakte gesellschaftskritische und gesellschaftsapologetische Debatten auf allen Seiten so unbefriedigend sind, dann hat dies einen Grund darin, dass die ökonomisch ausgerichtete Gesellschaftskritik insofern immer Recht hat, als legitimerweise auf die Vielfalt der Krisen der vergangenen 200 Jahre hingewiesen wird und die nächste kapitalistische Krise auch immer korrekt prophezeit wird. Daraufhin kontert die Gesellschaftsapologie mit dem Verweis auf vergleichsweise positive Entwicklungen der Vergangenheit. Irgendeine Form des „Aufschwungs“ wird ebenso immer korrekt prophezeit. Ist nicht auch die Wirtschaft in Griechenland im letzten Jahr gewachsen und der Kapitalismus bisher nie untergegangen? Gab es nicht seit 2012 einen ungemeinen Aufschwung (hier oder dort)?

Die Kritik von Bastani an der Messung des Erfolgs einer Gesellschaft im Bruttoinlandsproduk ließe sich auch umkehren und fragen, was denn ein akzeptierter Indikator für den Zustand einer einzelnen Gesellschaft (z. B. der BRD) oder aber des Weltsystems genauer ist. Dass es diesbezüglich leider keinerlei Einigkeit gibt, wissen wir aus der Jahrzehnte alten Debatte über die Komplementärbegriffe „Entwicklung“ und „Unterentwicklung“, die eine Vielzahl von Indikatoren hervorgebracht hat, allerdings mittlerweile zum Leidwesen des kapitalistischen Realismus auch für die Betrachtung jener „abgehängten Regionen“ in Zentraleuropa relevant geworden ist. Das macht die Sache zusätzlich unübersichtlich. Dann ist die erste Frage vor der Bewertung eines Zustands aber schlicht, was dieser Zustand ist. „Krise“ ist diesbezüglich eine ebenso vage und schnell irreführende Metapher wie „Aufschwung“, soweit die Krise nicht katastrophisch wird wie derzeit.

Die gestellten Fragen über den Zustand und dessen Bewertung lassen sich auch deshalb nicht auf direktem Weg empirisch beantworten, weil utopisches, dystopisches oder „realistisches“ Gedankengut dabei immer schon eine Rolle spielt. Auch dann, wenn vermeintlich rein sachlich oder „objektiv“ analysiert wird. Das Bild der gewünschten und gefürchteten Gegenwart (oder Zukunft) spielt immer schon mit hinein.

Denn Kritik und Apologie verwenden unterschiedliche kontrafaktische und dispositionale Vergleichsfolien. Während die Kritik die Gegenwart mit einem vermuteten individuellen und sozialen Optimum vergleicht, das bloß brachliege, vergleicht der konservative Realismus sie entweder mit einem real-dystopischen Fall aus der fernen Geschichte oder dem größeren Übel aus der Gegenwart. In der BRD mit der DDR oder einem beliebigen Schwellenland. Ist die soziale Ungleichheit durch die Globalisierung gestiegen? Die einen sagen „Nein!“ und verweisen auf die gesunkene Ungleichheit zwischen Ländern. Die anderen sagen „Ja!“ und verweisen auf die gestiegene Ungleichheit innerhalb der Nationalstaaten.  

„Liberale“ sehen im Unterschied zu Verfechtern von FALC die Gegenwart bereits als graduelle Realisierungen des Optimums und bereits realisierte Utopien. Sie feilschen noch um die nächste Privatisierungswelle und Steuersenkung, aber für größere Änderungen gibt es gar keinen Bedarf. Auch jetzt, wo die Bude abzufackeln droht, mahnen die Eliten des Denkens bereits, den alten durchlöcherten, fast bereits fossilisierten Sparstrumpf bereit zu halten. Libertäre sind da noch radikaler und sehen die Gegenwart als Ort vollkommener Unfreiheit, die einzig durch den freien Markt der Lehrbücher orthodoxer Ökonomik überwunden werden kann. Ein Grau gibt es nicht. Im Grau bedarf es aber auch keiner Utopie für radikalen Wandel. Oder?

Bastani stellt sich demgegenüber auf den Boden der erst zu realisierenden Utopie und eines Optimums des Humanen: Was könnte der Mensch nicht alles sein, wenn sich in ihm die gute Gesellschaft spiegelte? Von dort kann er wie Keyes und Fresco darüber nachdenken, wie zukünftige Generationen auf uns und unsere vergeudeten Potenziale herabschauen werden. Dabei setzt er Vorstellung von Freiheit, dem guten Leben und der guten Gesellschaft voraus, die es insofern noch gar nicht gibt, als es keine anschaulichen Beispiele für deren Realisierung im Großen gibt. Er liefert sie auch nicht im Kleinen.

Man kann aus all dem Lernen, dass explizit darüber gestritten werden sollte, was gut und was schlecht ist, was mit jenem „guten Leben“ oder der „guten Gesellschaft“ gemeint ist. Gerade wurde an allen Ecken und Enden so etwas gefordert, weil gleichzeitig – zumindest für ein paar Tage – geglaubt worden ist, dass große Änderungen ohnehin anstehen.

Nur so lässt sich klären, was irgendeine Gruppe oder vielleicht gar alle wollen oder auch nicht wollen. Erst dann lässt sich über Mittel nachdenken, es herbeizuführen. Zu den Schwächen von FALC gehört daher die erst ganz am Ende kassierte Insinuierung, die Verwendung von Wörtern wie „Freiheit“ und „Luxus“ oder auch „Arbeit“ erübrige dies, was selbst denjenigen auffällt, die die Perspektive teilen. Das ist im gesamten politischen Spektrum genauso, weshalb es an Sterilität nicht zu überbieten ist.

Das Geniale an FALC ist aber, dass dem Autor das vollkommen klar ist, man unter dieser Erkenntnis aber keine Utopie und eigentlich auch kein Manifest schreiben kann. Bei FALC handelt es sich daher weder um eine Karte, die den Weg zum Luxuskommunismus angibt, noch um einen definitiven Zielpunkt auf der Karte. Sondern um die 243 Seiten lange Formulierung der Frage: Was nun warum? Gerade jetzt ist es höchste Zeit dafür und ohnehin vielleicht schon zu spät, wie Klimaaktivisten ahnen.

Wer soll die genauere Antwort liefern? Letztlich eine radikal-demokratische Bewegung, die allerdings erst noch ins Rollen kommen muss. Manchmal ist es gut, ein Buch vom Ende her zu lesen:

„We must have the courage – for that is what is required – to argue, persuade, and build. There is a world to win.“

Wenn er uns nun nicht sagt, wie wir es erreichen und worin es konkret besteht, so erinnert uns Bastani zumindest daran, dass das Reich der Freiheit oder die zu gewinnende Welt schon längst möglich wäre. Bekanntlich wird nur ein Bruchteil der Arbeitszeit zumindest im „Westen“ für das Reich der Notwendigkeit aufgewendet. Der Shutdown hat dies allzu deutlich gemacht.

Da wir in der Demokratie leben, werden wir zu dem Schluss kommen müssen, dass wir uns das Reich der Freiheit und vielleicht den Luxuskommunismus selbst schlicht nicht gönnen wollen – was immer das sein mag.

Keyes und Fresco fassten das alte Paradox unserer Gesellschaftsform bereits hübsch zusammen, indem sie einen Engländer über Amerika sagen ließen:

„A place where everybody furiously works overtime making laborsaving machinery.”

FALC, jetzt! Aber … alle sind gefragt. Und sollten FALC lesen.

Daniel Plenge

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